Vom regionalen Saatgut zum Protein der Zukunft

von Alexandra Otto 02/03/2026
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Vom regionalen Saatgut zum Protein der Zukunft

Die Sicherung der regionalen Eiweißversorgung entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen Thema für Landwirtschaft und Lebensmittelwirtschaft. Steigende Importabhängigkeiten, volatile Märkte und klimatische Veränderungen rücken die Frage in den Mittelpunkt, wie pflanzliche Proteine künftig stabil, nachhaltig und regional verfügbar gemacht werden können - der RWA-Lagerhaus-Verbund hat die Antwort darauf.

Die Nachfrage nach Soja, Lupine und Ackerbohne steigt kontinuierlich, gleichzeitig rücken neue, bislang wenig etablierte Kulturarten stärker in den Fokus. Österreich zählt mittlerweile zu den größten Sojaproduzenten Europas und bewirtschaftet rund 90.000 Hektar Sojafläche. Diese Dynamik nachhaltig zu gestalten, ist ohne leistungsfähiges Saatgut nicht denkbar. „Die landwirtschaftliche Eiweißversorgung Europas befindet sich im Wandel“, erklärt Florian Mayer, Bereichsleiter Saatgut in der RWA und Geschäftsführer von DIE SAAT. Für ihn beginnt die Zukunft der Proteinversorgung klar bei der Züchtung: Sorten müssen an österreichische Standorte angepasst sein, stabile Erträge liefern und gleichzeitig hohe Eiweißgehalte erreichen. Nur so lassen sich regionale Wertschöpfung stärken und Versorgungssicherheit langfristig absichern.

Der RWA Raiffeisen Ware Austria-Lagerhaus-Verbund setzt dabei konsequent beim Ursprung an: beim Saatgut. Mit der Marke DIE SAAT, einem europaweiten Versuchswesen und breiten Züchtungskooperationen entsteht eine durchgängige Wertschöpfungskette – vom Saatkorn über die Sortenentwicklung bis hin zur Verarbeitung. Ziel ist es, Österreich nachhaltig mit hochwertigen Proteinkulturen zu versorgen und gleichzeitig die Abhängigkeit von Importen zu reduzieren.

Eine zentrale Rolle übernimmt dabei die Saatzucht Gleisdorf. Hier werden unter anderem Mais, Ölkürbis, Ackerbohne, Sojabohne, Körnerhirse und Käferbohne gezüchtet sowie Zwischenfrüchte entwickelt und Basissaatgut produziert. Die Zuchtprogramme wurden in den vergangenen Jahren gezielt erweitert und an zukünftige Marktanforderungen angepasst – insbesondere im Hinblick auf Klimaresilienz, Ertragsstabilität und Proteinqualität. Besonderes Augenmerk liegt auf der gezielten Entwicklung agrarischer Proteinquellen wie Soja, Ackerbohne und Erbse. Gefragt sind Sorten, die hohe Proteingehalte mit Ertragsstabilität, regionaler Anpassungsfähigkeit und Trockenheitsverträglichkeit verbinden. Angesichts zunehmender Wetterextreme wird die Züchtung klimaresilienter Sorten zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor.

Parallel zur klassischen Pflanzenzüchtung arbeitet das Agro Innovation Lab an ergänzenden Lösungen im Bereich alternativer Proteine - Start-ups entwickeln hier Verfahren zur Fermentation, zur Veredelung landwirtschaftlicher Nebenströme oder zur Herstellung neuer Proteinquellen wie Pilzmyzel oder Algenkulturen. Mit der Initiative „Proteinnovation Discovery“ werden internationale Jungunternehmen eingeladen, ihre Ansätze für pflanzenbasierte, fermentative oder alternative Proteinquellen einzureichen. Ziel ist es, Innovationsimpulse frühzeitig zu identifizieren und in bestehende Wertschöpfungsnetzwerke zu integrieren, denn die Proteinversorgung der Zukunft wird nicht durch eine einzelne Technologie gesichert. Vielmehr müssen Züchtung, landwirtschaftliche Praxis, Verarbeitung und neue biotechnologische Verfahren ineinandergreifen.

Genau hier setzt der strategische Ansatz des RWA-Lagerhaus-Verbunds an: Saatgut wird nicht isoliert betrachtet, sondern als Ausgangspunkt eines umfassenden Wertschöpfungsnetzes. Oder wie Florian Mayer es formuliert: Nur wenn vom Feld her gedacht wird, kann die Proteinversorgung nachhaltig gesichert werden. Regionale Proteine werden so nicht nur zur Vision, sondern zu einer realistischen, wirtschaftlich tragfähigen Alternative – mit Mehrwert für Landwirtschaft, Lebensmittelwirtschaft und Konsumenten gleichermaßen.